Frühlings-Momos

Während es heute draußen schneit und stürmt, ist Zeit und Muse die gestern erbeuteten ersten Frühlingskräuter zu verarbeiten.

Momos sind gefüllte „Nudelteig-tascherln“ die ganz einfach per Hand hergestellt und zur Zubereitung gedämpft (z.B. im Einsatz für Erdäpfel) werden. Ich habe sie mit gekochtem Erdäpfel/feingehacktem Bärlauch/Frühlingszwiebel/geriebenem Käse/Salz, Pfeffer, etwas Chilli gefüllt.

Besonders wichtig sind die Soßen dazu. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Als „österreichische“ Variante mischte ich ein gutes Bauernjoghurt einfach mit den gehackten Frühlingskräutern und einer Spur Salz, alles aus der Region – perfekt! Für die Exotik und als farblicher Kontrast Paradeiser/rote Zwiebel/Kapern in Essig/Honig/Chili/Ingwer/Sojasoß.

Bärlauch, Brunnenkresse und Scharbockskraut stecken voller Vitamine, regen unsere Verdauung an und machen uns „fit“ für den Frühling! Scharbockskraut sollte nur jetzt, vor der Blüte genossen werden, danach steigt der Anteil der weniger bekömmlichen Inhaltsstoffe. Es schmeckt dann auch nicht mehr gut. Laut Literatur können auch die kleinen Knöllchen eingelegt werden – vielleicht hat jemand momentan so viel Zeit das zu machen…

Frühlingsboten

Die ersten Blüten in den Wiener Praterauen – der Winterling, ein besonders frühes Hahnenfußgewächs, wartet auf die ersten Bienen und Hummeln. Von diesen war aber weit und breit noch nichts zu sehen!

Wald-Rahmsuppe

die einfache Suppe aus dem bäuerlichen Bereich für die winterliche Wildkräuterküche abgewandelt:

Rezept:

Kümmel, abgezupfte ganze Tannennadeln und Pilzstücke (getrocknet, vom Herbst) in Wasser aufkochen, nach Geschmack Salz/Pfeffer/Suppenwürze und Knoblauch zugeben, Mehl mit Sauerrahm anrühren und in die kochende Suppe mit dem Schneebesen einrühren, kurz aufkochen lassen, mit gerösteten Brotwürfeln servieren, genießen

wunderschönes Gedicht von Erich Kästner:

Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder. 
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Herbstgenuß

wilde Herbst-Küche: Pilze, Kürbis, Gnocchi, Zwiebel, Engelwurz, Wiesenbärenklau, Dost, Beifuß, Wacholder, Brennnessel,… getrocknete Samen, Früchte, Wurzeln, Beeren, Wildkräuter harmonieren wunderbar mit Pilzen, Erdäpfel und Kürbis

Hollertraum

Hier noch eine wunderbare Nachspeise: Hollerkoch zubereitet (Hollerbeeren mit frischen und getrockneten Zwetschken, einer Birne, etwas Wasser und Gewürzen – Kardamon, Nelken, Sternanis, Zimt, etwas brauner Zucker – eingekocht), ein wenig davon mit Topfen und geschlagenem Obers vermengt, mit Hollerlikör (ein ganz ausgezeichneter, schon gut gereifter von meiner Mutter) übergossen.

Ein Traum!!! Dank an Frau Holle/Holda/Berchta

Kriecherlchutney mit Engelwurzweckerl

Auch im Herbst können wunderbare Wildkräuter – und vor allem Wildfrüchte- gerichte gezaubert werden. Kriecherln mag ich am liebsten als süßsaures Chutney – frische Früchte kochen bis sich die Kerne lösen, diese herausfischen, Gewürze zugeben und kurz mitkochen (etwas Zucker, Kräuteressig, Knoblauch, gerösteter Zwiebel, Ingwer, Salz, Pfeffer, Chilli….), heiß abfüllen und im Kühlschrank nachziehen lassen.

Im Weckerl habe ich leicht angemörserte Engelwurzsamen mitgebacken.

Für Herz- Kreislauf, Immunsystem und Verdauung ist es wunderbar, die wilden Früchte des Herbstes in den Speiseplan einzubauen. Zum Glück bieten hier kleine Mengen schon einen intensiven Geschmack, sodass man nicht tagelang aus dem Büro abgängig sein muss…

Mahlzeit!

Dost – Genuss aus den Alpen

Nicht nur farblich eine Pracht, auch kulinarisch haben die Almwiesen im Juli und August viel zu bieten. Besonders die aromatischen Lippenblütler – Rossminze, Quendel und Dost – erfreuen die Insekten und das Sammlerherz. Vom Weidevieh eher ignoriert, lässt sich der Dost während der Blütezeit besonders einfach finden und pflücken. Ich schneide die ganze Pflanze ein gutes Stück über dem Boden mit der Schere ab (um die Wurzel nicht zu entfernen). Sieh hält eine Weile im Kühlschrank oder in der Vase frisch, und kann auch gut getrocknet werden. Zerkleinern sollte man sie erst knapp vor der Verwendung, um das Aroma nicht zu verlieren. Sie schmeckt mild-aromatisch, nach einer Mischung aus Thymian, Oregano und Minze, aber eher sanft. Man kann sie kaum „überdosieren“. Wunderbar in Gemüsesuppen, Eintöpfen, Frischkäse, frisch auf die Pizza oder auf ein mit Käse überbackenes Gemüse oder Brot – bei Verwendung des frischen Krautes wird es beim Überbacken ganz knusprig!

Auch für Tee, Süßspeisen, Kräutersalz, Essig und Öl verwenden – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Die getrockneten Stengel (mir gefällt hier die neue Rechtschreibung einfach nicht!!!) lassen sich als kleine Grillspieße verwenden.

Ebenso wie der Geschmack ist die medizinische Wirkung eher sanft – wie andere Lippenblütler anregend, krampflösend, entzündungshemmend, antimikrobiell und verdauungsfördernd. Im Tee, als Badezusatz, in einem pflegenden Hautöl , als Haarspülung – auch hier kann man sich experimentell austoben.

Gerne wächst der Dost auch an sonnigen Wegrändern, er braucht nicht viel zum Wachsen und kommt auch in tiefen Lagen vor. Man muß für ihn also nicht unbedingt die Berge besteigen…